Bericht
Unter der bewährten Regie von Frau Dr. Jung brechen die Freunde des Ludwig Forums alle zwei Jahre nach Venedig auf. Die künstlerische Leitung lag –wie beim letzten Mal- in den Händen von Frau Dr. Franzen, die sich bestens auskennt, uns umfassend informiert und sicher zu den Highlights führt. Und der neue Vorsitzende, Herr Höhler, war auch dabei.
Warum ist diese Reise so beliebt? Natürlich, weil es in Venedig so schön ist. Das klingt banal und ist doch wahr: Schon die Bootsfahrt vom Flughafen zum Hotel bei wunderbarem Wetter stimmt ein auf die Stadt und weckt erste Erwartungen auf die Kunst, die sich so vielfältig und allgegenwärtig darbietet. Überall in der Stadt zeigen Plakate und Fahnen, dass Lagerhäuser, Museen und Paläste Teil der Biennale sind und einzelne Länder oder Themenausstellungen präsentieren.
Die lebhaften Gespräche innerhalb der Gruppe sind besonders anregend, weil sich immer wieder unterschiedliche Meinungen an der Kunst entzünden und Stoff für Diskussionen bieten. Ob es um die Tintorettos geht, die ihren angestammten Ort verlassen haben und unter immensem Aufwand in die Eingangshalle des Biennale-Pavillons gebracht worden sind oder zum Beispiel im Spanischen Pavillon, wo um 16 Uhr die Performance in Anwesenheit der Künstlerin begann: zwei Schauspieler, einer italienisch und einer englisch sprechend, trugen an vier verschiedenen Stellen des quadratischen Raums vor, was der „artist without work“ zu sagen hat. Der Text war ernst, logisch aufgebaut und von philosophischem Charakter, die Art der Präsentation einfach und schnörkellos. Und doch entstand sofort auch das Gefühl einer Gratwanderung zum Absurden hin: was wird da ausgestellt, welche Erwartungen erfüllt oder negiert, was ist als Kunst zu erkennen und welche Möglichkeiten des Dialogs eröffnen sich für die Betrachter, die gleichzeitig Zuschauer und Zuhörer sind? Das Gespräch mit der Künstlerin zeigte, dass die vielen Fragen und unterschiedlichen Reaktionen offensichtlich zum Kunstwerk dazu gehörten und so den Begriff davon noch mal wieder verändern und erweitern konnten.
Zeit zum Ausruhen, Flanieren und Erkunden von neuen Vierteln und Lokalen gehört auch zum Programm. So kann jeder Reiseteilnehmer eigenen Interessen nachgehen, auf die umliegenden Inseln fahren und sein Venedig suchen und finden.
Zu den vielen Erinnerungen gehört auch die schöne Geschichte aus dem Hotel: Die Dame an der Rezeption zeigte im Gespräch nicht nur ihre guten Deutschkenntnisse, sondern auch Interesse daran, was das denn für eine Reisegruppe sei. Nach der Erklärung von Frau Jansen-Haange meinte sie anerkennend: „Moderne alte Menschen!“ und dabei war das jüngste Mitglied der Reisegesellschaft doch erst 15 Jahre alt.
Rita Posmik |