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Bericht
Exkursion nach Prag und Kuttenberg 08.07. – 12.07.2011
Gute Organisation, gute Auswahl der Kunstorte, außerordentlich angenehme Bleibe in Prag: Hotel Josef, Bau von 2002, zentral in der Altstadt gelegen, innen wie außen komplett designed von Architektin Eva Jiricna.
Die Gruppe der 23 Teilnehmer hat viele der architektonischen Schätze der Stadt kennengelernt oder wiedergesehen, nahegebracht durch die geschichtlichen und kunsthistorischen Erläuterungen von Organisatorin Iva Haendly, die ihres Familienhintergrundes wegen über detailreiche Kenntnisse der Baugeschichte Prags verfügt. Die Vielfalt dieser Architektur, von der Gotik über Renaissance und den gar nicht so dominanten Barock zum Jugendstil, zu exotischen Gestaltungen wie dem Rondo-Kubismus, machten den großen Reiz der gemein- samen Spaziergänge aus. Sie verbanden, kurzweilig und interessant, die aufgesuchten Kunstorte: Museen + Galerien, Kirchen + Paläste. Es begann gleich am Ankunftstag mit der Galerie Rudolfinum (Portraitserien von Gerhard Richter und Gottfried Helnwein, ein geistreich gezeichneter Erzählzyklus von Viktor Pivovarov, Vater des in Aachen ja nicht unbekannten Pavel Pepperstein), Museum Kampa (Skulpturen von Otto Gutfreund, viele Bilder von Frantisek Kupka, veredelt durch einige Arbeiten von Wassilij Kandinski, in seltsamer Nachbarschaft zu sehr dräuenden Bildwerken von Arnold Schönberg). Es folgten anderntags die City Galerie mit großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos, zumeist urbane Architektur, von Andreas Feininger (Sohn von L.F.), der obliga- torische Besuch der Prager Burg mit Veitsdom, und eine Wanderung durch die herrlichen Gärten am Osthang des Burgbergs bis hinunter zur Moldau.
Die Exkursion nach Kutna Hora ( Kuttenberg ), verband wieder Altes: den gewaltigen gotischen Dom St. Barbara, mit Zeitgenössischem: dem GASK. Diese Galerie des mittelböhmischen Landkreises verfügt über eine große Sammlung zeitgenössischer Kunst (überwiegend Ost-Mitteleuropa), zeigt zur Zeit Arbeiten tschechischer Künstler, beginnend mit den 60er Jahren und die Ausstellung „Dialog über Grenzen“ aus der Sammlung des Kulturjournalisten Hans-Peter Riese. Die Werke sind in dem bemerkenswert schön umgestalteten ehemaligen Jesuitenkolleg sehr gut zur Geltung gebracht.
Die letzten beiden Tage waren ganz der bildenden Kunst gewidmet: Das DOX , neues Museum für moderne Kunst, zeigte die große Ausstellung “Rudolf Steiner und zeitgenössische Kunst“, mit u.a. herrlichen Zeichnungen von Joseph Beuys. Hier waren auch zwei Arbeiten von Hilma af Klint zu sehen, die neuerdings ( nur in Schweden? ) anstelle von Wassilij Kandinski als Schöpferin des ersten abstrakten Bildes angesehen wird.
Zwischendurch der Besuch im interessanten, imposanten ArtBanka, im Juni eröffnetes „Museum of Young Art“, den ganzen barocken Colloredo-Mansfeld-Palast ( nahe der Karlsbrücke ) bespielend, einige bekannte Arbeiten von David Cerny (Shark, Guns), einiges von Teilnehmern früherer Venedig-Biennalen, einiges von dem in der Neuen Galerie seiner- zeit gezeigten Karel Malich, neben überwiegend sehr exzessiven Bildern und Installationen der “young artists“; und die Begegnung mit Jiri David in der Galerie Dvorak/Sec Contemporary, der seine ausgestellten Werke kommentierte, den Katalog signierte und einige kleinformatige Arbeiten verkaufte.
Der ehemalige Messepalast (im funktionalistischen Stil von Oldrich Tyl und Josef Fuchs 1924-28 erbaut) wurde nach totaler Zerstörung durch Brand in den 1970ern komplett rekonstruiert und beherbergt heute die Sammlung (internationaler) moderner und zeitgenössischer Kunst der Prager Nationalgalerie. Der bekannte streitbare Fluxus-Künstler Milan Knizak, sehr umstritten, wurde kürzlich als Direktor abgelöst. Die Sammlung ist riesig, präsentiert in wunderbaren hellen großen Hallen um ein Atrium. Sie erstreckt sich über fünf Stockwerke, alle großen Namen des 20. Jahrhunderts sind vertreten. Man braucht viel Zeit und eine gute Kondition zum Kennenlernen.
Und dann waren da noch die anderen angenehmen Dinge des Lebens, schöne Cafes, gute Restaurants, überall Pilsener Urquell vom Fass, ein kleiner Prosecco-Empfang in der American Bar des „Repräsentationshauses“ anlässlich des Geburtstages eines Teilnehmers, mit anschließendem Vivaldi-Konzert eines Streicherensembles nebenan in dem Saal, der Bedrich Smetana gewidmet ist und den sichnur Wenige entgehen lassen wollten.
Zu guter Letzt, auf dem Weg zum Flughafen der Abstecher nach Lidice, der eindrucksvollen Gedenkstätte mit einer von Rene Block 1966 initiierten Kunstsammlung zu der insbesondere deutsche Künstler Arbeiten angefertigt/beigesteuert haben, bzw. dies noch tun, teilweise um das Museum zu finanzieren. Der Bau und die Sammlung sind in einer Art Übergangsstadium; nur einige der Arbeiten ( Polke, Richter, Uecker, Roth) waren zu sehen.
Wolfgang Braunschweig
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