Vorschau auf Kunst- und Architekturreisen 2016

Reise Nr. 1

Bad Münster am Stein und Mainz am 9. April
Tagesexkursion zu neuen Kunstinstitutionen

Die erste Kunstreise der LUFO Freunde in diesem Jahr war ursprünglich in der Zeit über Karneval nach Linz geplant. Aus Kostengründen (teuere Flüge mit langen Flugzeiten) wird die Exkursion zum späteren Zeitpunkt realisiert.

Der bereits im letzten Jahr angekündigte Besuch des vom Tadao Ando errichteten Steinskulpturenmuseums mit Skulpturenpark in Bad Münster am Stein ist nun in diesem Frühjahr vorgesehen. Eingebettet in die Landschaft bezieht die Architektur die Natur und die ganze Umgebung mit ein. Die Anlage für die Fondation Kubach-Wilmsen wurde im August 2010 eröffnet. Seitdem lockt sie viele Besucher in die Provinzstadt. Eine historische, regionaltypische Fachwerkscheune wird als Ausstellungsraum genutzt. Sie ist von freistehenden Mauern aus hochwertigem Sichtbeton umgeben. Eine gelungene Symbiose von Alt und Neu, Architektur und Kunst.

Auf Einladung der Mainzer Sammlerin, Galeristin und Verlegerin (Rochus Verlag)
Dr. Dorothea von der Koelen besuchen wir ihr privates Kunsthaus CADORO (Zentrum für Kunst und Wissenschaft) in Mainz-Hechtheim. Sie hat sich ihren lang gehegten Traum verwirklicht. Am 2. November 2014 eröffnete sie das neue Kunsthaus, konzipiert als Schaulager. Namhafte Künstler wie Günther Uecker, Lawrence Weiner, Ai Weiwei, Eduardo Chillida, Joseph Kosuth, Niele Toroni, Daniel Buren, Bernard Venet u.a. sind in ihrem Kunsthaus vertreten.
In der Mainzer Kunsthalle (Ausstellungszentrum für zeitgenössische Kunst) sehen wir die Ausstellung „Auf den Schultern von Giganten“. Die Kunsthalle befindet sich in einem umgenutzten Kessel- und Maschinenhaus im Mainzer Zollhafen und zeigt seit ihrer Eröffnung 2008 wichtige Positionen aktueller Gegenwartskunst.


Reise Nr. 2

Breslau 05. – 08. Mai
Tradition und Moderne in „Venedig des Nordens“

Die niederschlesische Kulturmetropole Breslau feiert in diesem Jahr neben dem baskischen San Sebastián die Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas 2016. Breslau und San Sebastián – verschiedener können zwei europäische Städte nicht sein – teilen sich den Titel. Mit dem Ende des deutschen Breslaus im Mai 1945 musste das polnische Wroclaw seine Identität neu erfinden. Mittelweile hat es sich zu einer pulsierenden Kulturstadt mit einer umtriebigen Kunstszene entwickelt. Etwa 150 Projekte und Veranstaltungen werden die Breslauer und ihre Besucher durch das Jahr 2016 begleiten.

Breslau hat neben ihrer 1000 Jahre alten Geschichte weit mehr zu bieten. Es gibt neben den liebevoll restaurierten Bürgerhäusern der Gründerzeit auch besondere Bauten der klassischen Moderne zu besichtigen: das einstige Warenhaus Wertheim, ein Flaggschiff der europäischen Moderne von Hermann Dernburg, die spektakuläre Jahrhunderthalle von Max Berg (UNESCO Weltkulturerbe), das Kaufhaus Petersdorff von Erich Mandelsohn, Geschäfts- und Bürohäuser von Hans Poelzig und Adolf Rading, sowie die Werkbundsiedlung WuWa mit dem Hotel von Hans Scharoun.

Ein Konzert in der Friedenskirche von Schweidnitz (UNESCO-Weltkulturerbe), der größten Fachwerkkirche Europas, ist immer ein Erlebnis. Das am 4. September 2015 eröffnete prestigeträchtige Nationale Musikforum mit seiner musikalisch beschwingt anmutenden Fassade (Arch. Stefan Kurylowicz) ist ein Meisterwerk feinster Akustik.

Das Nationalmuseum mit seinen hervorragenden Sammlungen schlesischer und polnischer Kunst von Romantik bis Moderne und dem berühmten illusionistischen Panorama-Gemälde der Raclawice-Schlacht und die Galerien Entropia und Miejska stehen ebenfalls auf dem Programm.


Reise Nr. 3

„The Floating Piers Lago d´Iseo“ 30. Juni – 03. Juli
Christos temporäres Kunstprojekt

Für sein neuestes Projekt hat sich Christo eine der schönsten Gegenden Italiens ausgesucht. Am norditalienischen Lago d´Iseo realisiert Christo sein spektakuläres Art-in-Nature-Projekt. Ab dem 18. Juni werden für 16 Tage die Uferstädte Sulzano und San Paolo mit zwei Inseln im See verbunden. Das Kernstück sind die 16 m breiten und 3 km langen schwimmenden Stege, getragen von 20.000 untereinander verbundenen Polyethylenwürfeln, bedeckt mit Nylonbahnen in Gelb-Orange. Die Schwimmlaufstege laden zum Wandern und verweilen ein: „Es wird eine sehr sexy Erfahrung sein, auf diesen schwimmenden Brücken zu gehen, denn der Stoff wird sich mit den Wellen bewegen“ , so der bulgarisch stammende Künstler. Die farbigen Laufstege setzen sich auch in den Fußgängerzonen der beiden Städte fort und werden von den umgebenden Bergen sichtbar. Darüber hinaus besichtigen wir die nahe gelegenen oberitalienischen Städte Bergamo und Brescia, ihr reiches kulturelles Erbe von der Frühantike, hohem Mittelalter und der Renaissance.


Reise Nr. 4

Linz 18. – 21. August City of Media Arts

Die Oberösterreichische Landeshauptstadt Linz wurde für 2009, gemeinsam mit dem litauischen Vilnius, zur Europas Kulturhauptstadt auserkoren als ein internationales Zentrum für die Verschmelzung und Symbiose neuer Technologien mit Kunst und Kultur. Seit 1. Dezember 2014 ist Linz City of Media Arts Mitglied des Creative Ciites Networks der UNESCO. Nun gewinnt die Stadt sukzessive ein neues Image und konnte sich, zuletzt mit dem 2013 eröffneten Musiktheater am Volksgarten (Arch. Terry Pawson aus London) als Kulturstadt positionieren, obwohl Strukturen der alten Industriestadt nach wie vor sichtbar sind.

Vorgesehene Programmpunkte:
Lentos, Museum vom internationalen Rang, zählt zu den bedeutendsten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst in Österreich, 2003 erbaut von Weber + Hofer Architekten, Zürich.

Ars Elektronica Center (AEC), das führende Museum der digitalen und Medienkunst, 1996 eröffnet, 2009 um das Doppelte vergrößert von Treusch archtecture ZT.

OÖ Landesgalerie für moderne und zeitgenössische Kunst mit Schwerpunkt Fotografie vermittelt die neuesten Tendenzen im Bereich der Fotografie.

Tabakfabrik, erbaut 1929-35 von Peter Behrens und Alexander Popp ist der erste große Stahlskelettbau Österreichs. Die denkmalgeschützte Industrieanlage im Stil neuer Sachlichkeit wurde zum Kreativ-Areal umgestaltet.

OÖ Kulturquartier in einem ehemaligen Kloster hat sich zu einem stark vernetzten Kulturbezirk formiert.


Reise Nr. 5

Ruhrtriennale 2016 …. September
Tagesexkursion der Freunde des Ludwig Forums und der Theater Initiative Aachen ins Ruhrgebiet

Das Festival der Künste wartet in Bochum, Dinslaken, Duisburg, Essen, Gladbeck, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen mit zahlreichen Höhepunkten auf. Der künstlerische Leiter ist der namhafte Theatermacher Johan Simons. Sein Leitmotiv
„Seid umschlungen“ steht für eine Geste der Umarmung, sowohl künstlerisch als auch gesellschaftlich und geografisch. Die beiden Wörter sind einer Zeile aus Schillers „Ode an die Freude“ entnommen, denn die Ruhrtriennale soll inspirieren und begeistern.

Das Gesamtprogramm der Ruhrtriennale wird Anfang April veröffentlicht. Erst danach kann die Aufführung und der genaue Termin festgelegt werden.


Reise Nr. 6

Argentinien 01. – 09. Oktober (fakultativ bis 13. Oktober)
Buenos Aires und Jujuy/Salta

Reisedauer: 8 Tage (ohne Ab- und Anreise) inkl. Abstecher zum James Turell Museum (Bestandteil der Hess Art Collection im Nordosten in den Anden, nahe den Weingärten von Colome, Nähe Juyuy und Salta). Möglichkeit der Verlängerung. Ortskundige Begleitung: Celina Jure bzw Martin Mele, ein Künstlerehepaar das lange in Düsseldorf gelebt und auf der Insel Hombroich gearbeitet und auch ausgestellt haben. Beide sprechen ausgezeichnet Deutsch und haben ihr Atelier im Stadtteil La Boca, dem farbigen Künstler- und Tangoviertel. Martin Mele (Installationen) wird von dem Züricher Galeristen Mark Müller vertreten, Celina Jure (Malerei und Keramik) stellt in Argentinien aus. Die lokale Kenntnis der Künstler-, Sammler- und Galerienszene garantiert einen tiefen Einblick in das aktuelle Kunstleben der Stadt, das sonst kaum erhältlich ist.

Buenos Aires bietet immense kulturelle Reichtümer: historische Museen (z.B. das Historische Nationalmuseum), die Landesgeschichte und insgesamt Lateinamerika reflektieren, aktuelle Kunstmuseen (Museo Nacional de la Bellas Artes. MALBA – Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires, Museo Arte Moderno, Museo Nacional de Arte Decorativo – Buenos Aires wurde 2005 von der UNESCO zur Hauptstadt des Design ernannt) bzw. Stiftungen für zeitgenössische Kunst (Fundación Proa) und viele Galerien, aber auch z.B. das Museo Evita zur Erinnerung an Evita Perón. 
BA hat ein reiches Musikleben, vom weltberühmten Opernhaus Theatro Colón bis hin zu den beliebten Tango-Dancefloors, große Theater und viele kleine Bühnen (rund 190 Spielstätten), große Literatur, viele Künstler und Künstlerinnen, die sich hart am Wind der von Wirtschaftskrisen und Inflation gebeutelten Gegenwart abarbeiten. Was Buenos Aires nicht hat: aufregende zeitgenössische Architektur wie in anderen Weltmetropolen, wohl aber sorgfältig umgebaute ehemalige Fabriken wie das MALBA (Museum zeitgenössischer Kunst) oder auch Restaurierung und Ausbau (mit Hochhäusern) des Puerto Madero, dem ehemaligen Hafen, heute Geschäfts- und Vergnügungsviertel etc. Dieses Defizit ist möglicherweise den vielen Wirtschaftskrisen geschuldet, die in kurzen Abständen und oft befeuert von „Heuschrecken“ über das Land hereinbrechen – wie gerade wieder zu beobachten.

Sicher ist der Besuch von Ateliers, Galerien und Museen der Mittelpunkt des Aufenthalts in Buenos Aires. Dazu kommt natürlich das Erkunden verschiedener Stadteile: z.B. San Telmo mit dem berühmten Antiquitätenmarkt, Recoleta, das großbürgerliche „französische“ Viertel mit wunderbaren alten Grandhotels, Palermo, das junge bürgerliche Viertel mit vielerlei kleinen Geschäften und guten Lokalen, La Chacarita, die Totenstadt, der wohl größte Friedhof Lateinamerikas mit herausragenden Grabhäusern – eine uns unbekannte Totenkultur. Auch der berühmte Tangosänger Carlos Gardel ist dort begraben: die Zigarette in der Hand seiner Statue glimmt seit seinem Tod in den 1930er Jahren jeden Tag – täglich mehrfach angezündet von unermüdlichen Fans.

Zwischen Jujuy und Salta, in Colome, hat James Turell mit finanzieller Unterstützung des bedeutenden Kunstsammlers und Weinproduzenten Donald Hess ein riesiges Observatorium und Museum gebaut. Turell bezeichnet die Anlage als sein liebstes Projekt außerhalb der USA gleich nach dem Roden Crater bei Phoenix.
Hintergrund:
Buenos Aires ist eine zunächst fast „europäisch“ anmutende Stadt auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Sie hat mehr als 13 Millionen (realistisch: eher 20 Mio) Einwohner und ist hinter dem brasilianischen Sao Paulo die größte Stadt Lateinamerikas. Die Bevölkerung ist zu fast 90% weiß: die spanischen Besatzer hatten die indianische Urbevölkerung (wie auch in Chile) zwar nicht völlig ausgerottet aber doch an die Landesränder gedrängt. Den zeitweisen Reichtum und damit das in einigen Vierteln wie der Recoleta großzügige europäische Stadtbild verdankt Buenos Aires als Hauptstadt Argentiniens den Großgrundbesitzern und Viehzüchtern, die u.a. während des 1. Weltkriegs Corned Beef an die in Europa kämpfenden Truppen verkauften. Damals war man „reich wie ein Argentinier“.
Der zweite Mythos der Stadt und des Landes entwickelte sich schon vor der Wende zum 20. Jahrhundert mit dem Aufsehen erregenden Tango, in spanische,
italienische und afrikanische (von den Sklaven mitgebrachte) Musiktraditionen zu einem skandalösen Vorstadttanz vereinten. Tango wurde unter den oft arbeitslosen eingewanderten Männern, teils auch mit Prostituierten, getanzt und erzählt von Trauer, Einsamkeit und dem Verlust der Liebe – ein eigenes Musik- UND Literaturgenre. Wie der Blues zählt der Tango zu den genuinen Volksmusikstilen des 20. Jahrhunderts. Tango gelangte nach Paris und Rom, wurde vom damaligen Papst auf den Index gesetzt und kam – europäisch nobilitiert – als Gesellschaftstanz zurück nach Buenos Aires.

Der dritte Mythos dieser Stadt als überwältigend mächtiges Zentrum des Landes hat seinen historischen Grund in den erfolgreichen Unabhängigkeitskriegen von den Spaniern, in Argentinien angeführt durch General San Martín in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der darauf folgende, von Franzosen und Engländern beeinflusste, immer wieder neu aufflammende Konflikt zwischen den riesigen Provinzen mit ihren reichen Grundbesitzerfamilien (den Föderalisten) und der selbstbewussten städtischen Bevölkerung in Buenos Aires (den Unitariern bzw. Peronisten) spiegelt sich bis heute in der Parteienstruktur und Politik wieder, ist vielfach präsent.
Der vierte Mythos ist der Fußball: Argentinien ist ein unvergleichlich fußballbegeistertes Land und konkurriert dabei mit Brasilien. Fußballstars überstrahlen Präsidenten oder Filmstars, sie gleichen Göttern – wie zu seiner Zeit Maradona. Das spanisch–italienische Erbe verbindet sich bei den Argentiniern zu einer melancholischen Mischung zwischen Führerkult und Anarchie – und damit unterscheiden sich die Argentinier fundamental von den Brasilianern. Argentinier konsumieren mehr als jedes andere Volk zur Verbesserung des persönlichen Gemütszustandes das an jedem Kiosk erhältliche Aspirin: morgens, mittags und abends…


Reise Nr. 7

Hannover und Wolfsburg 08. – 09. Oktober
Auf nach Niedersachsen!

Anlass des Hannover Besuches ist vor allem die Erweiterung des Sprengel Museums, das mit seinen Schwerpunkten wie dem deutschen Expressionismus und der französischen Moderne zu den bedeutendsten Museen des 20. Und 21. Jahrhunderts zählt. Für den 1. Und 2. Bauabschnitt von 1979 und 1997 zeichnen Kölner Architekten Peter und Ursula Trinkt und Dieter Quast aus Heidelberg verantwortlich. Der Erweiterungsbau (3.BA) von den Schweizer Architekten Meili und Peter wurde am 19. September 2015 eingeweiht. Neben dem Sprengel Museum kann Hannover auch mit der Kestnergesellschaft punkten, einem Kunstverein, der in einem umgenutzten ehemaligen Jugendstil Hallenbad wichtige Ausstellungen präsentiert. Das Bad wurde1993 umgebaut von Architekten Koch, Panse und Hühn und hat im gleichen Jahr den BDA-Preis erhalten.

International beachtet und regional verankert ist das Kunstmuseum Wolfsburg, das auf eine glanzvolle Geschichte bedeutender Ausstellungen zurückblicken kann. Das Museum wurde als transparente Stadtloggia vom Hamburger Architekturbüro Schweger und Partner gebaut und 1994 eröffnet, in der Nachbarschaft von Alvar-Aalto-Kulturhaus, Theater und Planetarium. Das Kunstmuseum kann als erstes Museum der Gegenwartskunst in Europa einen Japangarten sein Eigen nennen. Im
2005 eröffneten Phaeno von Zaha Hadid machen 350 Experimentierstationen, davon 40 von Künstlern gestaltet, Naturwissenschaft und Technik mit verschiedenen Sinnen erfahrbar. Bei dem Rundgang durch die Autostadt wird man eingeladen die
Kunst zu entdecken: Dufttunnel von Olafur Eliasson, Installationen von Ingo Günther und Peter Kogler, Rot Blau Gelb von Gerhard Merz, Lichtrelief von Anselm Reyle sowie Werke von Olaf Nicolai und Henrik Schrat.

Anmeldung bei:

Iva Haendly-Dassen
Dipl.-Ing. Architektin
2. Vorsitzende der Freunde des Ludwig Forums
Maria-Theresia-Allee 257
D-52074 Aachen
mailto: haendly.dassen@t-online.de

SAVE THE DATE

Das Jahr 2017 ist reich an wichtigen Kunstereignissen:

Skulptur Projekte Münster 10.06. – 01.10.

Documenta 14 in Athen 08.04. – 16.07. und Kassel 10.06. – 17.09.

Außerdem sind folgende Reisen geplant:

Picassos Heimatstadt Malaga (Picasso-Museum)

Prag (Biennale) und Brünn (Haus Tugendhat von Mies van der Rohe)

Vaduz Kunstmuseum Lichtenstein (Erweiterungsbau von Arch. Morger & Dettli, Basel für Hilti Art Foundation)