„Wer einmal in Hamburg war…“

Reisebericht

Am Wochenende vom 31. Oktober bis zum 2. November 2014 stand die Metropole Hamburg auf dem Reiseprogramm der LuFo Freunde. Die 25 Exkursionsteilnehmer fanden es unter der fachkundigen Leitung von Iva Haendly spannend, in die Hamburger Kunst- und Architekturszene einzutauchen. Alle haben den angenehmen Aufenthalt im Empire Riverside Hotel, erbaut von David Chipperfield, ausgiebig genossen. Man muss dem Bauherren, dem „ König von St. Pauli“ danken, dass ihm und dem Architekten ein so elegantes Hotel mit Atmosphäre gelungen ist. Der spektakuläre Blick auf den Hafen, auf die vorbeifahrenden Schiffe aber auch auf die Reeperbahn bleibt unvergesslich. Jeden Abend bildeten sich Besucherschlangen vor dem Aufzug im Foyer um den grandiosen Ausblick im zwanzigsten Stockwerk in der hippen 20up Bar zu erleben. Wir erholten uns abends nach dem erlebnisreichen Tag in der nicht so überfüllten, dennoch stilvollen Bar im Erdgeschoss, da wir den Ausblick jederzeit vom Bett aus genießen konnten.

Um den ambitionierten Terminplan von Iva Haendly einzuhalten, wartete noch vor dem Einchecken eine kompetente Führung in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle auf uns. Der benachbarte Altbau wird gerade umfassend saniert, so dass im unterirdisch erschlossenen Neubau von Oswald Mathias Ungers die Highlights der Sammlung mit dem Titel „Spot on“ zu bewundern waren. Besonders die Arbeiten von Richard Serra, er verlässt wohltuend die Symmetrie und das etwas monotone Quadrat von Ungers, hatten es uns neben den einzigartigen Bildern von Caspar David Friederich angetan. Max Beckmanns „Stillleben“ hat man in dieser Fülle selten gesehen. Auf dem Weg zu den Deichtorhallen standen das Galeriehaus Hamburg, das Kunsthaus und der Kunstverein Hamburg auf dem Plan. Einmalig war die Ausstellung „Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie“ im Haus der Photographie, eine Fotoschau der berühmtesten Fotografen der Welt.

Bei strahlendem Sonnenschein führte uns unser Vorsitzender Ernst Höhler, der bauausführende Architekt, durch die Elbphilharmonie, dem Herzstück der Hafencity. Ein besonderes Erlebnis für uns! Die baukonstruktiven und logistischen Vorgaben von ihm und seinem Mitarbeiter Tobias Bock persönlich geschildert zu bekommen, war eine große Ehre. Der gewaltige Konzertsaal und der fantastische Ausblick von den Loggien der Luxuswohnungen und dem integrierten Hotel haben uns alle begeistert. Mit Spannung erwarten wir die Eröffnung in zwei Jahren. Nach dieser hoch interessanten Führung war der Spaziergang bei Sonne und blauem Himmel durch die Hafencity Richtung Rathausplatz ein Vergnügen. Die Hafencity mit dem weitgehend noch unbebauten Überseequartier ist das größte innerstädtische Entwicklungsprojekt in Europa. Am späten Nachmittag landeten wir im Bucerius Kunst Forum. Die Führung durch die Ausstellung „Pompeji, Götter, Mythen, Menschen“ war hervorragend. Abends bot sich eine Theateraufführung im Schauspielhaus für die Unermüdlichen an. Wir sahen „Das goldene Vlies“ von Franz Grillparzer, eine imponierend karge Aufführung von Karin Beier mit Maria Schrader in der Hauptrolle.

Eine spannende Ergänzung war die Architekturführung mit a-tours am nächsten Tag. Im neu errichteten Gebäude der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt von Architekten Hutten und Sauerbruch ist ganz Hamburg als Riesenmodell zu bewundern. Hier in Wilhelmsburg, wo eigentlich die Hamburger bisher nicht gerne wohnten, sind die innovativsten Bauten entstanden: Urban Green Buildings, Water House, Hybrid House, Smart Price Houses und die neuen Hamburger Terrassen.
Im Museum für Kunst und Gewerbe mit seinen großartigen Sammlungen und der Wechselausstellung „Fette Beute – Reichtum zeigen“ haben wir bei einem schmackhaften Imbiss und Glas Wein im Museumsrestaurant „Destille“ den Abschluss der gelungenen Exkursion gefeiert.
Im Jahr 2017 gibt es vielleicht ein Wiedersehen bei einer Aufführung in der Elbphilharmonie. „Wer einmal in Hamburg war…“, der findet das Wiedersehen wunderbar.

Ulf Dassen


Exkursion Helsinki vom 29.08 – 31.08.2014

Reisebericht

In den letzten Augusttagen dieses Jahres stand noch einmal der europäische Norden auf dem Exkursionsprogramm: Helsinki.
Noch gab es gutes, z. T. sogar recht sonniges Stadtbesichtigungs-Wetter, das auch Fahrten mit dem Wasserbus nach Suomenlinna zum Besuch der gewaltigen kanonenbewehrten See-Befestigungsanlage Kustanmiekka zuließ. 1748 erbaut und von drei Staaten, nämlich Schweden, Rußland und Finnland, als Verteidigungsanlage genutzt, wurde sie 1991 in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen. Sie beherbergt heute – über 3 Inseln verteilt – Werkstätten, Tagungs- und Veranstaltungsräume, Gaststätten und Museen. Als Tagesausklang erlebten wir ein gut besuchtes Jazzkonzert vor Ort.

Der architektonische Höhepunkt des 2. Tages war die neue Universitätsbibliothek im Zentrum von Helsinki (Architekten Anttinen Oiva Architects, 2012) in der Nähe der Universitäts-Hauptgebäude, die nun vier bisher vereinzelte Fakultätsbibliotheken (Geisteswissenschaften, Jura, Sozialwissenschaften und Theologie) unter einem Dach vereint und sowohl ein funktional wie gestalterisch hochinteressantes Innenraumkonzept als auch ein unverwechselbar prägnantes Erscheinungsbild im Fassadenkontext der angrenzenden Architektur bietet. Terrassierte Lesegalerien im Innern und nahezu haushohe parabelförmige Fassadenöffnungen zum Straßenraum sind die innen- und stadträumlichen Charakteristika des imposanten Baukörpers von mehr als 24.000 m² Geschossfläche (für ca. 1.5 Millionen Bände, Periodika, etc.). Ein gestalterischer Höhepunkt unter den modernen europäischen Bibliotheksbauten.

Prof. Axel Sowa, unser Architekturtheorie-Profi, der uns kompetent und geduldig auch weniger oder kaum bekannte Beispiele finnischer Architekten vorstellte, war von ganz besonderem Wert bei der Vorstellung der Fassade des Hauses der Telefongesellschaft (1905) von Lars Sonk (1870-1956). Eine massive, ausdrucksstarke Außenfront aus grob bearbeiteten Granit und Speckstein in betonter Horizontalität, mit eingravierten, geometrisch stilisierten Ornamenten aus floralen Motiven. Allerdings will diese asymmetrische, variantenreiche, rustikale Textur so gar nicht zu Zweck und Inhalt des Gebäudes, der neuartigen Kommunikationstechnik, passen.

Als echtes „Highlight im Vorübergehen“ empfanden wir im Stadtzentrum die Kampin Kapelli, ein kleiner moderner Andachtsraum in minimalistischem Holzdesign (Altarblock, Bänke, Wandoval). Einladend, hell, still, beinahe zwingend komplentatives Raumgefühl. Eine Oase im Stadtzentrum (Architekten K2Soy, 2012).
Einige besuchten zeitgleich das Amos Anderson Kunstmuseum, eine der größten privaten Kunstsammlungen des Landes, das der finnischen Kunst des 20. Jahrhunderts gewidmet ist und regelmäßig Wechselausstellungen bietet.
Der Nachmittag war dem Museum für Gegenwartskunst Kiasma vorbehalten. Steven Holl, der den Architektenwettbewerb gewonnen hatte, plante ein eigenwilliges, insbesondere vom Innenraum her faszinierendes Museumsgebäude, bewusst vieldeutig organisiert um immer wieder überraschende Raumperspektiven zu bieten – wenn auch auf Kosten von Orientierung und Übersichtlichkeit. Kiasma beherbergt außer den Ausstellungsräumen u. a. ein Theater, Galerien, ein Café und ein Restaurant. Künstlerische Schwerpunkte sind die Internationale Kunst ab 1960, insbesondere Installationen und Medienkunst.

Der Samstags-Rundgang wurde beschlossen mit der Finlandia Halle von Alvar Aalto (1971), einem großen Komplex aus weißem Cararra Marmor und grauem Granit, der 1975 erweitert wurde. In ihm finden alljährlich mehr als 200 Konzerte statt, ebenso Kongresse aller Art (z. B. 1975 die legendäre KSZE-Konferenz; „Helsinki-Charta“).
Leider kamen wir nur in das Foyer der Anlage, eine Führung war nicht mehr möglich.

Am 3. Tag unseres Helsinkibesuches standen noch zwei Villen von Alvar Aalto, dem bedeutendsten finnischen Architekten der Moderne auf dem Programm: Sein Haus an der Rinitie von 1935/36 (ursprünglich Privathaus und Atelier, später Wohnung mit privatem Studio) und sein Atelierhaus von 1955 in Munkkiniemi, ein Bau, der aus zwei großen Atelierräumen mit Sekretariat, Archiv und Konferenzzimmer plus Nebenräumen besteht. Das Haus ist zur Straßenseite hin fensterlos und gut isoliert, zur Gartenseite hin geöffnet mit kleinem Amphitheater, das allen Mitarbeitern für Vorträge, Geselligkeit und Erholung zur Verfügung stand. Beide Häuser stehen sowohl für private Bescheidenheit als auch für gemeinschaftliche Großzügigkeit ihres Erbauers.

Der Besuch des Museums am Olympiastadion (Arch. Lindegren + Jäntti, 1938) war wegen des Leichtathletik-Länder-Kampfes Schweden-Finnland in der dafür vorgesehen Zeit leider nicht möglich, allenfalls die Besteigung des 72 m hohen Olympia-Turms, von dem aus der beste Blick über Helsinki möglich ist.

Die verbliebene Zeit zum Flughafentransfer wurde individuell genutzt, wir liefen durch den City-Wintergarten zum Haus der Kultur an der Sturenkatu, einem der bekanntesten Bauwerke Aaltos aus den 50er Jahren. Zum Bauprogramm gehörten damals das Hauptquartier der kommunistischen Partei, Vereinsräume und ein Kulturforum mit Kongreß- und Konzertsaal für 1.500 Personen, Restaurant sowie ein kleiner Kinosaal im Untergeschoß. Charakteristisch sind die keilförmigen roten Ziegel für den Auditoriumsteil in freier Form und der orthogonale 5-geschossige Büroflügel mit Kupferdach. Zur Straße hin sind die beiden Flügel des Komplexes durch eine 60 m lange, als Tor zum Innenhof konzipierte Überdachung miteinander verbunden. Ein sowohl funktionell als auch gestalterisch und konstruktiv sehr typischer Aalto-Bau als Abschluß der Helsinki-Exkursion.

Prof. Dr. Peter Fuhrmann

Leitung Prof. Axel Sowa


Nach Marseille mit dem Bus! (29.5.-1.6.2014)

Reisebericht

Ob das gut geht, eine Busfahrt auf einer Strecke von 1000 km? Es gab Bedenken. Mit der fürsorglichen Verpflegung am Bord des Fernbusses Dressel mit einem XXL Sitzabstand haben die 15 LuFo-Freunde die lange Fahrt gut überstanden.

Die Kulturhauptstadt 2013 hat es in sich. Jetzt wo die gesamte alte und neue Hafenanlage fast fertig ist, lohnt es sich, die Kulturbauten zu besichtigen. Es begann mit dem Blick auf die Stadt von der hochgelegenen Notre Dame de la Garde. Danach bewunderten wir die baulichen Objekte der Umstrukturierungsmaßnahme „Euromediterranée: Mucem (Museum der Zivilisationen), Villa Méditerranée, Musée Regards de Provence, Zentrum für zeitgenössische Kunst FRAC. Hervorzuheben ist die fußläufige Erschließung des Museumskomplexes am Meer über kühne Stahlbrücken zur Festung und zum alten Hafen hin mit zauberhafter Bepflanzung. Eine Krönung war die Ausstellung „Le Visages“ in der alten Charité.

Ein großer Vorteil bestand darin, dass wir den Bus auch vor Ort nutzen konnten. Auf der Fahrt nach Aix-en-Provence faszinierte uns Chateau La Coste, ein Weingut mit einem großartigen weitläufigen Skulpturenpark und erlesener Architektur von Tadao Ando, Jean Nouvel und Frank Gehry.
Weiter ging es nach Aix zur Fondation Vasarely, zur Kulturmeile mit dem Pavillon Noir, dem Musikhaus von Kengo Kuma und dem neuen Theater.

Nach der Besichtigung des Ateliers Cezanne überraschte uns eine Einladung zum Champagner mit Imbiss von Verwandten des Ehepaars Jansen-Haange in einer schicken Wohnung mit dem Blick auf Mount Viktoire, den Cezanne oft gemalt hat. Für fachkundige Fragen stand Andréa Holzherr Rede und Antwort.
Unvergessen bleibt auch das Hotel Mamma Shelter, Design by Phillippe Starck, in einer urbanen Gegend. In diesem Hotel haben wir gerne gewohnt. Wer wollte, konnte sein „Selfie“ mit Masken von Batman und Bambi ins interne Netz stellen und sich dann beim ausgezeichneten Abendessen bestaunen.

Ulf Dassen


Israel Exkursion 27.02. – 03.03.2014

Reisebericht

Die erste Exkursion der Freunde des Ludwig Forums führte in diesem Jahr ins
„Heilige Land Israel“.

Tatsächliche Flugzeit nur 4,5 Stunden, gefühlte Entfernung: die andere Seite der Erde

Von Tel Aviv Bustransfer hinauf nach Jerusalem.
Der erste Eindruck, eine weiße Stadt, auf Felsen gebaut, zu der man aufschauen muss.
Besichtigung der Altstadt bei Sonnenuntergang: Hinter der Stadtmauer mit ihren mächtigen Stadttoren ein Gewirr von Gassen und Menschen. Vielfalt und Fremdheit, Verwirrung, Gänsehaut: Via Dolorosa, Grabeskirche, Klagemauer..
Kippas, Schläfenlocken, wehende Gewänder, schwarze Hüte, … Jerusalem – heiliger Ort für die drei monotheistischen Religionen, heilig – aber nicht friedlich, umkämpft und umstritten. Araber und Israelis , Moslems, Christen und Juden, alle auf engstem Raum nebeneinander und alle mit dem gleichen Anspruch auf diesen Ort.

Schmelztiegel der Kulturen – wir bekommen einen Begriff davon!
Wir sind fasziniert, aber auch zutiefst beunruhigt und aufgewühlt. Erst recht in Yad Vashem, weltweit die wichtigste Gedenkstätte der Juden. Das Grauen der Menschheit, einzigartig dargestellt, architektonisch sowie künstlerisch.
Die Kunst ist wie Balsam für unfassbare und kaum zu verkraftende Grausamkeiten des Holocaust. Wohltuend deshalb nach Yad Vashem die wunderbare Führung von Rita Kersting und Guido de Werd durch das großartige Israel Museum Jerusalem.

Danach geht es weiter mit dem Wechselbad der Gefühle bei unserem Grenzübertritt nach Ramallah – Palästina. Grenzüberschreitung in vielerlei Hinsicht. Unser israelischer Führer wird von einem palästinensischen abgelöst und mit ihm seine politischen Ansichten! Tatsachen sprechen für sich, Wahrheiten sind schwer auszumachen. Der Nahostkonflikt bekommt ein noch deutlicheres Gesicht. Es ist aufregend und bedrohlich und wir erleben die Verfahrenheit der politischen Situation hautnah.

Ein einschneidendes Erlebnis für uns alle.
Auch das Zelebrieren des Schabbats hinterlässt einen verwirrenden Eindruck auf uns. (schon allein wegen des Fehlens von frischem Kaffees beim Frühstück, aber auch wegen vieler anderer uns sehr fremdartig anmutender Gebräuche). Mit diesen vielen verwirrenden Eindrücken erreichen wir Tel Aviv, das sich uns mit seiner wunderbaren Bauhausarchitektur und viel großartiger Kunst (National Design Museum Holon, Tel Aviv Museum, University Art Gallery) als weltoffene Metropole präsentiert, mediteran, sympathisch und vielschichtig, überall freundliche, sehr engagierte Menschen, die uns herzlich willkommen heißen in ihren Galerien, Märkten, und Geschäften, in Bars mit guten Weinen, und Restaurants mit wunderbarem Essen.
Fotos Wolfgang Rombey